Heilsame Geburt nach vorangegangenem Kaiserschnitt

Liebe Kerstin,
vor einigen Tagen fand ich endlich Zeit, meinen persönlichen Geburtsbericht zu schreiben. Ich lasse ihn Dir zukommen, da Du einen wesentlichen Teil dazu beigetragen hast, damit diese heilsame Erfahrung möglich wurde. Es war eine ganz besondere Nacht…

Eine Geburt zu erleben ist grossartig, einfach überwältigend und so beeindruckend, dass ich kaum beschreiben kann, wie „gross“ ich es erlebt habe.
Deine Geburt – liebe Eden – war für mich eine so heilsame Erfahrung. Ich wurde dermassen gestärkt, als Frau und als Mutter. Vor allem aber war es Heilung, ich konnte meine ureigene Kraft spüren.

Jetzt da ich dieses Erlebnis aufschreibe, spüre ich wieder die Kraft und die Energie. die einer Geburt inne wohnt. Und wahrscheinlich – nein ganz sicher – ist dieses Gefühl nur ein Bruchteil dessen, was am 1. Juni über mich kam, mich mit sich zog und mich ganz und gar beseelte. Soviel Ursprünglichkeit, soviel Natur und soviel göttliche Kraft!
Es ist ein handfestes Erlebnis, so physisch und brachial und doch so spirituell und ätherisch in meiner Seele noch ganz da und wie ich hoffe – so wirksam, dass ich und meine Familie noch ganz lange davon zehren können.

Ich habe schon Wochen auf das Ereignis gewartet, es fühlte sich so an, als wolltest du schon 3 Wochen vor deinem Termin kommen, aber dem war nicht so. Selbst zum Kontrolltermin 2 Tage nach errechnetem Geburtstermin hiess es: bombensicher, der Muttermund ist fest verschlossen und das Gewebe ganz straff.
Hätte ich nicht die Vorbereitung mit Kerstin gehabt, wäre ich wohl zu einem Nervenbündel geworden. So konnte ich jedoch meine Entspannungsübungen machen und mich der wichtigsten Aufgabe widmen, nämlich mich auf die Geburt freuen, sie mir vorstellen, meine verborgenen Kräfte dafür mobilisieren.

In der Nacht bin ich von einem Ziehen im Bauch erwacht aber so gering, dass ich leicht weiterschlafen konnte. In den Morgenstunden ging es dann weiter, ca. alle 15 Minuten eine Welle, nicht schmerzhaft nur gut spürbar, sie lullte mich ein und ich liess mich einlullen.
Am Nachmittag wollte ich in den Kreissaal und eine Meinung zu dem Geschehen einholen. Im Kreissaal angekommen wurde ich von der Hebamme und der Assistenzärztin untersucht. Die Ärztin meinte, mein Kind würde ca. 3600 g wiegen. Ich konnte darüber nur lachen, so dass sie sich veranlasst sah, noch mal zu messen. Und tatsächlich: ihre zweite Schätzung belief sich auf 3200 g. Dein Geburtsgewicht war 3140 g. Gute Schätzung.
Ich wurde wieder heim geschickt, weil der Muttermund erst 1 cm geöffnet war und die Wellen recht selten und schwach kamen. Tagsüber war ich so entspannt und fast wehenfrei. So als ob ich mich für diese Nacht noch mal richtig ausruhte. Gegen neun am Abend gingen wir wieder ins Spital. Wir durften uns das Gebärzimmer aussuchen und so entschieden wir uns für den ‚Sternen-Saal’. Wir wollten diesen Raum zu unserem Raum werden lassen, uns hier „heimisch“ machen und unsere „Privacy“ entstehen lassen.
Die Wellen kamen und ich atmete und entspannte in jeder Pause. Eine innere Stimme sprach mir positiv und liebevoll zu. So gegen Mitternacht war der Muttermund 6 cm geöffnet. Ich habe mich gefreut, war meinem Partner ganz nah und fühlte mich auch von der anwesenden Hebamme getragen. Sie entspricht eigentlich nicht einer vorbildlichen HypnoBirthing Geburtshelferin, aber so what. Sie strahlte Vertrauen und Liebe aus und es fiel mir nicht schwer, wenn sie mich durch ihre Anwesenheit „weckte“, danach wieder in einen seeligen Trancezustand zurückzufinden.
Ich schlief minuten- oder sekundenweise immer wieder ein. Die Hypnose funktionierte gut. So gut, dass die Hebamme früh um drei meinte ich sei so erschöpft und sehe nicht gut aus. Sie und die Ärztin würden mir eine PDA empfehlen. Ich solle darüber nachdenken. Ich fühlte mich schlagartig tatsächlich erschöpft. Daher ging ich ins Bad, richtete meine Haare und machte mich für eine sachliche Erörterung parat. Als sie wie angekündigt nach wenigen Minuten wiederkam, wirkte sie bei dem Anblick in mein „erwachtes“ Gesicht tatsächlich überrascht.
Nach einer Pause, wo der Muttermund sich nur wenig bis kaum öffnete, ging es dann plötzlich schnell. Ich atmete durch die Wellen und wechselte einige Male die Position und schon war ich bei 10 cm Öffnung. Dann spürte ich den Drang zu drücken. Es kamen viele laute Geräusche aus meinem Mund. Plötzlich wollte ich nicht mehr, ich hörte einen inneren Dialog. Ich stand wie an einer Weggabelung: der erste Weg bedeute ich könne losjammern, weinen, sagen dass ich nicht mehr könne, mir doch noch einen Kaiserschnitt wünschen und mich aus der Situation herauswünschen. Der zweite Weg bedeutete etwas ganz anderes und so entschied sich etwas innerhalb von Sekunden für diesen Weg. Nach einer wohltuenden Pause spürte ich wieder sich sammelnde Kräfte. Die positiven Gedanken halfen mir über die Krise und gaben mir Energie für die kommenden 20 Minuten.
Nur wenige Minuten später, ich sass auf dem Gebärhocker, schaute ich herunter zwischen meine Beine und da war sie. ich sah, wie der ganze Körper aus mir heraus rutschte. Es sah so einfach aus. Sie war so endlos weich.
Ich lag wieder auf dem Bett, Eden auf meinem Bauch und Klaus neben mir. ich war so gut gelaunt. Ich hätte am liebsten gerufen, dass ICH es geschafft habe. Ich war sooo stolz und Eden wunderschön.

Die Geburt war Heilung. Ich wünsche diese Erfahrung jeder Frau. Die Fähigkeit zu gebären ist wohl die unbeschreiblichste Fähigkeit, die ich mir vorstellen kann. Es ist eine Urkraft, die über mich kam, ich konnte sie nicht aufhalten und wurde vielmehr erfüllt von ihr. Dieses Gefühl und diese Erfahrung war einzigartig und ich bin beschenkt eine Frau zu sein. Mit diesem Stolz gehe ich seither durch die Welt.

Wir hatten später ein Feedbackgespräch mit der Ärztin, die diese Geburt ebenfalls als sehr besonders erlebt hat. Sie war sehr glücklich, dass es ohne PDA ging und sehr davon beeindruckt und erfreut, dass ich mich auf die Geburt gefreut hatte. Dies sei ihrer Meinung nach sehr selten!

Kerstin, wir haben oft an Dich gedacht und ich möchte Dir nochmals herzlich für Deine Unterstützung danken. Beim nächsten Kind machen wir eine Auffrischung bei Dir J

Herzliche Grüsse
Dima